Memento (Radvocado, 2014)
Die Nummer leuchtet schon auf dem Display und
Dein Daumen schwebt über dem grünen Knopf.
Keine drei Millimeter und es wählt. Aber Du zögerst.
Du weißt, dass es falsch ist.
Du denkst an die endlos langen Töne, an dein klägliches Rufen?
Und du weißt nicht, ob jemand abnehmen wird, warum vielleicht nicht oder wer?
Die Gewissheit kann all deine Hoffnungen töten.
Du lebst noch sicher mit den vertrauten Zweifeln.
Der Nebel kommt jeden Abend, kalt und feucht; die Einsamkeit, ich weiß.
Es wird nicht besser werden, wenn du jetzt anrufst. Atme ruhig! hör auf zu hoffen!
Komm! Ich nehme jetzt das Telefon vorsichtig aus Deiner Hand,
Werde die Nummer löschen – aus dem Speicher, aus deinen Kontakten.
Ich bin der Nebel. Ich bin was ich bin und ich bin nicht dein Feind.
Du denkst, ich verberge etwas, weil du nicht durch mich hindurchsehen kannst.
Wie willst du wissen, dass ich verberge, was du zu sehen hoffst, dass es da ist?
Vielleicht verberge ich, was dich fürchten lässt und schütze dich.
Du bist nicht allein hier draußen. Ich bin bei dir und in mir zweifeln andere wie du.
Du kannst deine Füße sehen. Geh Schritt für Schritt.
Du brauchst jetzt kein Ziel. Du siehst ein Stück Weg. Lass es genügen!
Warte auf den Morgen! Warte, bis ich gehen muss!
Du wirst nicht warten. Du wirst in dein Haus gehen und die Tür schließen.
Du wirst nicht auf mich hören. Ich bin nur der Nebel.
Deshalb hast du das Telefon noch in Deiner Hand.
Dieser Funken Hoffnung in dir … Nun wähle schon dein Unglück herbei!
Die Nummer leuchtet schon auf dem Display und
Dein Daumen schwebt über dem grünen Knopf.
Keine drei Millimeter und es wählt. Aber Du zögerst.
Du weißt, dass es falsch ist.